Tuana Senel aus Marl vertrat den Wahlkreis Recklinghausen II bei dem Planspiel „Jugend und Parlament“ im Deutschen Bundestag

Pressemitteilung: Die Jugendliche aus Marl nahm auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Brian Nickholz an dem Planspiel teil und berichtet von ihren Erfahrungen.

Im Zeitraum vom 12. bis 15. Oktober sind deutschlandweit ausgewählte Jugendliche nach Berlin gereist und nahmen im Planspiel „Jugend und Parlament“ im Deutschen Bundestag fiktive Rollen als Politiker:innen ein. Sie konnten somit demokratische und parlamentarische Prozesse kennenlernen und hautnah erleben. Ob Plenardebatten, Fraktionssitzungen oder eine Fragestunde mit Spitzenpolitikern des Bundestages, das Planspiel bot eine große Bandbreite an neuen, einmaligen Erfahrungen.

Teilnehmerin Tuana Senel aus Marl berichtet: „Am zweiten Tag fing es erst so richtig an. An dem Tag wurden die Fraktionsvorsitzenden der Spielparteien bestimmt. Ich war mir sicher, dass ich diese Aufgabe sehr gut bewältigen könnte. Ich habe eine unvorbereitete Rede gehalten, die am Ende wirklich besser war, als ich gedacht hatte. Doch leider wurde ich nicht gewählt. Was für mich überhaupt nicht schlimm war, letztendlich war es für mich eine interessante Erfahrung zu sehen, wie das alles so funktioniert.“

Im Nachhinein erzählt Tuana Senel, dass sie trotz der beeindruckenden Momente und der spannenden Tage, von einigen wenigen Teilnehmerinnen mit Vorurteilen behandelt wurde. „Eine Teilnehmerin sprach mich an. Sie erzählte mir, dass man hinter meinem Rücken über mich gesprochen hat. Aufgrund meines Kopftuches könnte man mich nicht bei den Wahlen als Fraktionsvorsitzende wählen“, so Tuana.

Die Schülerin musste während des Planspiels Alltagsrassismus und Diskriminierung aufgrund ihrer religiösen Zugehörigkeit und deren Sichtbarkeit erfahren. Tuana Senel kritisiert außerdem den Umgang mit einigen weiblichen Teilnehmerinnen.

Tuana Senel berichtet: „Sie wurden fast nie drangenommen oder man ließ sie nicht ausreden. Das Problem lag allerdings nicht an dem Spiel, sondern an manchen Leuten. Mich macht es schon immer traurig, dass Frauenfeindlichkeit oder Rassismus nie enden werden. Doch musste es auch bei Jugend und Parlament vorkommen?“

Der Bundestagsabgeordnete Brian Nickholz, der Tuana Senel als Teilnehmerin zu Jugend und Parlament eingeladen hatte, ist zutiefst bestürzt darüber, was die Schülerin erleben musste. „Jugend und Parlament sollte ein Ort der Begegnung und neuer Eindrücke sein, welche als positiv prägende Zeit und tolle Erfahrung in Erinnerung bleiben sollte. Dass Tuanas Erfahrung von Diskriminierung nun einen Teil dieser Erinnerung ausmacht, ist ungerecht“, so Nickholz. „Es zeigt uns deutlich, dass Alltagsrassismus und Vorurteile immer noch im Alltag vorhanden sind und wir als Land weiterkämpfen und aufklären müssen, damit Tuanas Erfahrung sich nicht wiederholt“, erklärt Brian Nickholz. Deshalb habe er sich mit einem Schreiben an Bundestagspräsidentin Bärbel Bas gewandt, um dafür Sorge zu tragen, dass in Zukunft Ansprechstellen geschaffen werden und für das Thema sensibilisiert wird.

Tuana Senel konnte in jenen Tagen aber auch Freunde finden und politische Eindrücke sammeln, so Tuana: „Ich habe in vier Tagen so viel gelernt, wie noch nie zuvor und trotzdem viele freundliche Menschen kennengelernt.“

Brian Nickholz hofft, dass ihr vor allem dieser aufregende Teil des chancenreichen Planspiels im Gedächtnis bleiben wird. Für den Abgeordneten ist eines ganz klar: Intoleranz hat bei „Jugend und Parlament“ wie auch bei ihm ausdrücklich keinen Platz.