Rabenschwarzer Wendepunkt in der Geschichte eines Traditionskonzerns

Sarah Philipp und Jochen Ott vor dem Strahlwerk HKM (Montage)
Bild: Jochen Ott / Pascal Skwara

Sarah Philipp und Jochen Ott zu den aktuellen Ereignissen bei Thyssenkrupp

Zu den Ergebnissen der Thyssenkrupp Steel-Aufsichtsratssitzung erklären die NRWSPD-Vorsitzende Sarah Philipp und Jochen Ott, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion NRW:

 

Sarah Philipp, Vorsitzende des SPD-Landesverbandes NRW:

»Der heutige Tag markiert einen rabenschwarzen Wendepunkt in der Geschichte eines Traditionskonzerns. Bislang stand der Name Thyssenkrupp nicht nur für qualitativ hochwertigen Stahl, sondern auch für ein Unternehmen, dessen Logo die Beschäftigten mit Stolz auf ihrer Arbeitskleidung getragen haben. Das historisch gewachsene Miteinander bei Thyssenkrupp wurde mit der bewusst und einseitig herbeigeführten Eskalation am heutigen Tag durch Herr Lopez aufgekündigt.

Mit dem De-facto-Rauswurf des Stahlvorstandes löst Herr Lopez kein einziges Problem. Im Gegenteil. Er hat damit jedwedes Vertrauen der Politik, der Belegschaft und in die Mitbestimmung zerstört. Seine kalkulierte Attacke gegen die Arbeitnehmerseite verschärft die Krise des Unternehmens dramatisch.

Die Zukunft des nordrhein-westfälischen Stahlstandorts sind die zahlreichen Beschäftigten, die mit ihrem Einsatz und Wissen Stahl aus Duisburg über Generationen zur Weltmarke gemacht haben und die sich darauf verlassen können, dass die SPD bei dem bevorstehenden Kampf um die Zukunft des Konzerns an ihrer Seite steht. Herr Lopez kann nicht länger Teil dieser Zukunft sein. Er baut den Konzern kontinuierlich zur Projektionsfläche seiner selbst um. Herrn Lopez geht es ganz offensichtlich nicht um die Rettung des Konzerns und der Sicherung zahlreicher Arbeitsplätze, sondern um Herrn Lopez.«

 

Jochen Ott, Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion NRW:

»Siegfried Russwurm muss als BDI-Präsident sofort zurücktreten. Es ist ein Skandal, dass der BDI-Präsident die Soziale Marktwirtschaft in Deutschland versenkt, das Ruhrgebiet anzündet und das Wirtschaftsmodell Deutschland von der Kapitalseite aus rücksichtslos angreift.

Auch Lopez‘ Verhalten ist unterirdisch. Er hat es geschafft, dass jegliches Vertrauen in ihn nicht mehr möglich war und die drei Vorstände mit ihm nicht mehr zusammenarbeiten können. Auf diese Weise hat er einst auch schon Siemens Gamesa vor die Wand gefahren. Es ging ihm nur noch darum, einseitig Kapitalinteressen durchzusetzen. Das ist Klassenkampf von oben. Wir haben in Deutschland und gerade im Ruhrgebiet eine andere Tradition: Hart in der Sache, aber immer den Ausgleich im Blick.«